STIMMEN AUS DER WELT DER KUNST

Evi Fersterer is one of those rare artists whose pictures take their inspiration from a keen observation of nature and yet have all the qualities of abstract painting. They are simple and yet they suggest immensities of space and depth. While making marvellous patterns of colour and shape, they are at the same time deeply evocative of all that a traveller loves in nature. It is for this reason that they are loved by other artists. Like all fine pain- tings, they display the spirit of the painter, a spirit both sensitive and adventurous.

Evi Fersterer gehört zu jenen seltenen Künstlern, deren Bilder ihre Inspiration aus einer scharfen Beobachtung der Natur erhalten und dennoch alle Merkmale ab- strakter Malerei aufweisen. Sie sind einfach und ver- mitteln doch die Unermesslichkeit von Raum und Tiefe. Während sie wunderbare Motive in Farbe und Form schafft, rufen diese gleichzeitig all das wach, was der Reisende in der Natur liebt. Das ist auch der Grund, warum ihre Bilder von anderen Künstlern geschätzt werden. Wie alle guten Werke offenbaren sie den Geist der Künstlerin. Einen Geist voll Feingefühl und Wagemut. 3. 1. 1990

Direktor Peter Greenham, Royal Academy of Arts, London


The curatorial staff and I enjoyed this excellent oppor- tunity to sample and review Evi Fersterer ́s work. We found her paintings and woodblocks to be of an excellent quality and character.

Die KuratorInnen und ich haben diese hervorragende Möglichkeit, Evi Fersterers Werk kennen lernen und beurteilen zu können, sehr genossen. Wir fanden ihre Malerei und ihre Klötze von einer ausgezeichneten Qualität und besonderem Charakter.

Susan Fisher Sterling Kuratorin des National Museum of Women in the Arts, Washington, D.C.


Mystisch in der Quelle, realistisch im Ziel – der ungestü- me sichtbare Ausdruck tiefer innerer Regungen durch eine eigene Seelen- und Gefühlssprache bestimmt das Schaffen Evi Fersterers als Malerin und Bildhauerin. Ihre Werke bedürfe keiner Worte. Was sich tief verin- nerlicht, in unserer Gedanken- und Gefühlswelt offenbart, ist ihr Ausdruck genug. Mit ihren Klotzmen- schen – als Skulpturen wie auch bildlich dargestellt in ihren Landschaften – erfasst sie stets das Wesentliche, Wesenhafte in uns, das echt und deshalb zeitlos ist. Vereinfachung und Reduktion verleihen diesen Wesen ihr ewig gültiges Gesicht. Es findet sich wieder in der Natur und löst eine Kraft aus, die mutig und stark macht, beflügelt und erhebt. Es ist die Kraft der Liebe.

In diesem Sinn sind Evi Fersterers Werke eine klare Aufforderung, auf die innere Stimme zu hören – weniger mit dem Intellekt als vielmehr mit dem Herzen. Aus den Tiefen des Unbewussten vernimmt sie den Aufschrei der Seele. Sie nimmt sich seiner an. Sie lässt sich ein mit ihrem ganzen Menschsein. Und sie lässt geschehen – in liebevollem Werden und Gestaltneh- men. Auf diese Weise bringt sie elementare Empfin- dungen vom Grund unseres Daseins ans Licht – und befreit sie von der „Maske des Anders-sein-Wollens als man ist“. Inneres und Äußeres werden eins. Diese Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit verleihen Evi

Fersterer und ihrem Schaffen jene Authentizität, die in der von ihr begründeten Kunstrichtung des Mystischen Realismus einen zutiefst berührenden und bewegen- den Ausdruck findet.

Dr. Stefan Loos


Evi Fersterer ist eine erstaunliche Künstlerin – nach- denklich, lyrisch und tief. Unter allen Gattungen der Malerei ist ihr am nächsten die Landschaft. Auf deren Hintergrund leben und fühlen, lieben und leiden die von ihr erfundenen hölzernen Menschlein, Kinder und Erwachsene – ihre „Klötze“. Ihre Gefühle bringt Evi vor allem mit Hilfe kräftiger Farben zum Ausdruck – Gelb, Rot, Schwarz und Weiß. Und die rührenden, manch- mal klobigen Menschlein leben und existieren auf dem Hintergrund dieser starken Farben einer eingebildeten oder realen Welt.

Evi Fersterer kennt und liebt Russland, sie versteht und empfindet die russische Klassik. Ihre „Begegnung“ mit dem russischen Dichter und Philosophen Wladimir Solowjow wurde für die Künstlerin ein entscheidendes Erlebnis. Sie las die dreizehn Bände seiner Werke durch, sie schuf eine Fülle von Illustrationen zu seinen Gedichten und einige Portraits von ihm und zeigte dabei ein so feines Verständnis für die unerklärbare russische Seele, wie es selbst bei den Vertretern unserer eigenen nationalen Malschule durchaus nicht immer vorhanden ist.

Vor zwei Jahren gab es eine Ausstellung von Werken von Evi Fersterer im Staatlichen Russischen Museum in den Sälen des Michajlowsij-Schlosses. Für eine Stadt mit so stark ausgeprägten künstlerischen Traditionen wie St. Petersburg ist es niemals einfach, den Namen eines hier bisher unbekannten westlichen Künstlers neu einzuführen. Die Einführung des Namens Evi Fersterer vollzog sich glänzend und organisch – die Presse sprach mit hoher Anerkennung von ihren Werken.

Danach aber eigneten sich ganz ungewöhnliche Dinge. Ein halbes Jahr später schickte sie eine riesige Menge humanitärer Güter für die Kinder der Mitarbeiter, die sie in Familien in Saalbach und Salzburg gesammelt hatte, und in jedem mit großer Liebe gepackten Paket war ein Teilchen ihrer Seele eingepackt.

Russland durchlebt heute eine schwierige Zeit, und umso wertvoller ist die freundliche Anteilnahme von so feinfühligen Menschen wie Evi an unserem Schicksal und an unserer Arbeit. Im Michajlowskij-Schloss denkt man gern zurück an die Ausstellung von Evi Fersterer, im Michajlowskij-Schloss schätzt man ihre Freund- schaft, im Michajlowskij-Schloss liebt und erwartet man sie. Sie und ihre Menschlein.

Jelena Kalnickaja, Direktorin des Michajlowskij- Schlosses des Staatlichen Russischen Museums


Für Evi –
dem Saalbacher Segantini herzlichst von
Gotthard Graubner


Evi Fersterer kommt aus den Bergen. Deren Schroff- heit, die absolute Präsenz und ihre Struktur haben zu der Art, wie sie malt, sehr beigetragen. Als Berggegend ist Saalbach eine große Inspiration für sie gewesen. Sie kennt den Schattberg auswendig, besonders die schneebedeckten Pisten und die Geometrie der Baum- muster. Immer gibt es (in ihren Bildern) ein Gefühl von

direktem Kontakt und warmer Erregung, eine Art von eindrucksvoller Einfachheit, die uns anspricht.

Ihre Bildwelt ist aber auch von einer beachtenswerten Vielfalt. Als ihr Gatte Sepp ein altes Haus abriss und die Holzstämme nach Saalbach brachte, sah sie in den überflüssigen Holzstelen das Bild einer Familie und begann fortan, diese Klötze in ihren Bildern zu benut- zen. Die Klötze verbanden sich zu einer Familie, zu Gatte, Frau und Kindern, und sprachen von Liebe und Beständigkeit.

Sepp war es, der ihr immer die Kraft und Unterstützung gab, indem er sich um die praktischen Dinge des Lebens kümmerte. Als er starb, war sie zerstört. Ihr Sohn, Seppi junior, half ihr besonders indem er die Dinge übernahm, die sein Vater vordem erledigt hatte, und er ermutigte sie auch, aus ihrem Gram mit Hilfe der Malerei heraus zu kommen. Ihre Antwort war, indem sie ein zehn Meter breites Bild vom Innenhof in Panzano malte, eine beträchtliche Errungenschaft. Zusammen mit einem anderen Bild, das sehr berüh- rend ist und eine von Schmerz getroffene Frau zeigt mit einem darüber schwebenden Engel, der Kopf der Frau gebeugt wie eine mittelalterliche Skulptur.

Sie hat ein enormes Mitgefühl und eine Großzügigkeit, verbunden mit einer geistigen Spiritualität, eine Eigenschaft, die sie mit großen Malern gemeinsam hat: das ist das Empfinden für Licht, das innere Licht wie sie es nennt, so dass jedes Bild von sich aus strahlt.

Vor zwei Jahren malte sie ein kleines unscheinbares Bild des Dorfes Saalbach von ihrem Haus in Saalbach aus, als ob sie es herangezoomt hätte. Es ist sehr berührend in seiner Einfachheit. Seine Farbqualität und sein silbernes Licht auf den geometrischen Formen der Kirche und Häuser haben die malerische Note eines Morandi oder Corot.

Anthony Eyton, 2. März 2006


Pictures painted by Evi Fersterer are instantly recognisable, both on account of her feeling for place and for their rugged simplicity. The landscape of Saalbach she has known since childhood and through familiarity is able to formalise it into the same elemental composition that we associate with Morandi. This is even more evident in her recent Italian work. The pleasure and excitement that she finds in painting is set off by her intense feeling for light. Through the light she realises the physical presence of the landscape and is able to express her exhilaration and wonder.

Bilder von Evi Fersterer erkennt man auf den ersten Blick, sowohl wegen ihres Gefühls für Raum und Landschaft als auch wegen der für ihre Arbeiten

charakteristischen Schlichtheit. Die ihr seit frühester Kindheit vertraute Landschaft von Saalbach-Leogang drückt sie in derselben elementaren Weise aus, wie wir sie von Morandi her kennen. Diese Fähigkeit zeigt sich noch deutlicher in ihren letzten, in Italien entstandenen Bildern. Die Freude und innere Spannung, die sie beim Malen empfindet, äußert sich in ihrem starken Gefühl für das Licht. Mit Hilfe des Lichts macht sie die Erschei- nung der Landschaft gegenwärtig und bringt ihre Begeisterung und ihr Staunen zum Ausdruck.

Prof. Anthony Eyton, R.A. Royal Academy of Arts, London


What continues to fascinate me is Evi ́s use of light and her economy of detail. Her international understate- ment invites the eye and the mind of the viewer to complete the picture. This subordination of self is for me what gives Evi ́s painting their depth and special appeal. Her painting shows us yet another side of this engaging and self-assured personality. Evi ́s paintings, especially those celebrating nature, portray a certain marvelling, a certain votive awe. I find, if not an element of melancholy, certainly a searching, or perhaps a questioning.

Was mich fortwährend fasziniert, ist Evis Gebrauch des Lichts und die Sparsamkeit an Details. Ihre internatio- nal maßvolle Darstellung lädt das Auge und die Aufmerksamkeit des Betrachters ein, das Bild zu vervollständigen. Diese Unterordnung des eigenen Ich ist es, was der Malerei Evis ihre Tiefe und ihre Anzie- hungskraft verleiht. Doch zeigt uns ihre Malerei auch eine andere Seite dieser engagierten und selbstbewuss- ten Persönlichkeit. Evis Malerei, besonders jene, in der sie die Natur verherrlicht, gestaltet eine wundervolle, gewissermaßen weihevolle Ehrfurcht. In vielen ihrer Bilder finde ich wenn schon nicht ein Element der Melancholie, so doch ein Suchen oder vielleicht ein Fragen.

Edwin C. Pancoast US-amerikanischer Konsul in München